Auf Augenhöhe mit dem Chef
Vom Seminarteilnehmer zum Referenten: Klubb 200-Mitglied Urban Terkatz hat seine Berufung zum Beruf gemacht.
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Seine Erfahrung hat ihn vor allem eins gelehrt, sagt Urban Terkatz: „Eine gute Ausbildung in Betriebsratsarbeit ist unverzichtbar.“ Während seiner zwölfjährigen Betriebsratstätigkeit bei Bayer Vital in Leverkusen hat sich der überzeugte Gewerkschafter deshalb kontinuierlich fortgebildet.
Seine regelmäßigen Seminarbesuche weckten in ihm schon bald neue eigene Ziele – selbst einzusteigen als Referent, um Betriebsrätinnen und Betriebsräte mit dem nötigen Rüstzeug auszustatten. Und so besuchte er 2019 Lehrgänge, um Referent bei der IGBCE zu werden. Allerdings stellte ihn sein Arbeitgeber für seine Lehrtätigkeit nicht frei, wollte er als Referent tätig sein, musste er dafür Urlaub nehmen. Das war für ihn jedoch auf Dauer nicht mit seiner Familie vereinbar. Mitte 2025 hat sich Urban Terkatz dann mit seinem Arbeitgeber über einen Auflösungsvertrag geeinigt – für ihn eine gute Möglichkeit, künftig seiner Berufung ohne Einschränkungen nachzugehen.
In diesem Jahr hospitiert der 57-Jährige noch, ab 2027 wird er als Referent dann selbst Seminare für die IGBCE leiten, vor allem Grundlagenseminare für Betriebsräte. Wichtig ist es dabei – auch aus eigener Erfahrung – vor allem, den Teilnehmenden zu vermitteln, dass sie immer auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber reden und selbstbewusst für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen eintreten sollten.
Eine seiner wesentlichen Stärken sieht Urban Terkatz darin, dass er schnell merkt, wenn die Leute etwas nicht verstehen. „Ich greife das Thema dann anders auf und stelle Zwischenfragen“, erzählt er und ergänzt: „Es ist sehr befriedigend, wenn man ein Thema so vermitteln kann, dass die Teilnehmenden es durchdringen und wiedergeben können.“
Engagierte und gut ausgebildete Betriebsrätinnen und Betriebsräte sind unverzichtbar.
Urban Terkatz
Deshalb wirbt er auch immer wieder für die Teilnahme an IGBCE-Seminaren. Die Referentinnen und Referenten kommen aus der Praxis. „Wir sprechen die Sprache der Teilnehmenden, weil wir aus den Betrieben kommen“, sagt Terkatz, „und weil wir alle aus eigener Erfahrung wissen, dass Mitbestimmung auch im Betrieb eines der höchsten Güter ist, das wir in Deutschland haben und das wir unbedingt verteidigen müssen.“ Genau darum, sagt er, „sind engagierte und gut ausgebildete Betriebsrätinnen und Betriebsräte unverzichtbar.“
Weil er „die IGBCE im Herzen trägt“, engagiert Terkatz sich ehrenamtlich auch als Bildungsbeauftragter im Vorstand der IGBCE-Ortsgruppe Viersen-Mönchengladbach. Dass er 2020 in den Klubb 200 eingeladen wurde, macht ihn stolz. Der Klubb 200 ist das Qualifizierungsprogramm für besonders engagierte Ehrenamtliche der IGBCE. Drei Mal im Jahr treffen sich die Klubber zum Austausch. „Nach jedem Treffen bin ich regelrecht beseelt“, sagt Terkatz. „Diese Inspiration gebe ich nicht zuletzt als Referent an die Betriebsratskolleginnen und -kollegen weiter.“
Gewerkschaftlich engagiert ist Urban Terkatz seit Beginn seines Berufslebens. Nach dem Abitur 1987 machte er eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker. Er trat in die Gewerkschaft – damals die IG Metall – ein und engagierte sich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung. Nach seinem Zivildienst startete er in Jülich in ein Studium der Elektrotechnik – bis ihn 1992 ein persönlicher Schicksalsschlag aus der Bahn warf und Terkatz seine Berufspläne änderte. Statt – wie ursprünglich geplant – in der Medizintechnik zu arbeiten, machte er sein Hobby zum Beruf: die „Computerei“, wie er sagt. In einem kleinen Computerladen in Viersen lernte er „alles von der Pieke auf“. 1994 wechselte er in ein Softwareentwicklungsunternehmen nach Meerbusch, 2002 wurde er Application Manager bei Bayer Vital in Leverkusen. In dieser Zeit wechselte er auch in die IGBCE. Ab 2021 arbeitete er für die Bayer AG und war für den Support in 150 Ländern zuständig.
Dem Computer ist Terkatz nach dem Arbeitsleben treu geblieben: In seiner Freizeit komponiert und produziert er Musik am Rechner, die er auf seinem Youtube-Kanal „@urbanTrance1969“ veröffentlicht.
Noch länger als die Gewerkschaft trägt der gebürtige Mönchengladbacher „die Borussia im Herzen“. Er ist in Rufweite des Bökelbergs aufgewachsen und hat die ersten Bundesligaspiele bereits als Achtjähriger verfolgt, als er zwischen den Ordnern durchgeschlichen ist. Seit mehr als 30 Jahren ist er selbst als Ordner tätig – und hat seitdem fast kein Heimspiel seiner Mannschaft mehr verpasst.