Interview

August | September 2026

„Der Klubb
öffnet Türen“

Klubb 200 – schon mal gehört? Was sich dahinter verbirgt, wie er Mitglied geworden ist, woher der Klubb für besonders engagierte Ehrenamtliche der IGBCE seinen Namen hat und wie ein Podcast daraus entstanden ist, erzählt Michael Zinger im Gespräch mit Kathryn Kortmann.

Foto: Nils Hendrik Müller

Klubb 200 – schon mal gehört? Was sich dahinter verbirgt, wie er Mitglied geworden ist, woher der Klubb für besonders engagierte Ehrenamtliche der IGBCE seinen Namen hat und wie ein Podcast daraus entstanden ist, erzählt Michael Zinger im Gespräch mit Kathryn Kortmann.

Zur Person:

Michael Zinger (37) ist ausgebildeter Industriemechatroniker, seit 2022 Betriebsrat und aktuell im Übergangsmandat als Betriebsrat bei Contitech in Hannover, wo im August ein neues Gremium gewählt wird. Er hat 2023 am Qualifizierungsprogramm des Klubb 200 teilgenommen und ist nach dessen Abschluss 2024 „Klubbigeworden.

Michael, du bist Mitglied im Klubb 200. Wie kam es dazu?

Gewerkschaftliches und betriebliches Engagement waren schon immer mein Ding. Ich mische schon ziemlich lange in der IGBCE mit, bin seit vielen Jahren im Vertrauenskörper und seit 2022 auch als Betriebsrat (BR) aktiv. Die BR-Arbeit hat mich auf die Idee gebracht, ein Studium der Rechtswissenschaften zu beginnen. Dafür habe ich mich um ein Stipendium bei der Hans-Böckler-Stiftung bemüht. Darüber habe ich bei einem BR-Seminar im IGBCE-Bildungszentrum Haltern am See mit dem Bildungsstättenleiter gesprochen. Er konnte mir in puncto Stipendium zwar nicht weiterhelfen, hat mich aber auf den Klubb 200 hingewiesen und mich für den Klubb vorgeschlagen. Insofern ist meine Mitgliedschaft im Klubb eher etwas unorthodox verlaufen.

Wie meinst du das?

Eigentlich schlagen die IGBCE-Bezirke besonders engagierte Ehrenamtliche für den Klubb vor. Bei mir kam der Vorschlag ja nicht aus dem Bezirk, sondern vom Leiter der Bildungsstätte in Haltern am See, wo der Klubb 200 durchgeführt wird. Das habe ich dann schon als eine große Ehre empfunden.

Was genau ist denn eigentlich unter dem Klubb 200 zu verstehen?

Im Grunde verbirgt sich hinter der Bezeichnung ein einjähriges Qualifizierungsprogramm für ehrenamtliche Funktionärinnen und Funktionäre der IGBCE. Während des Programms treffen sich die Teilnehmenden regelmäßig in Haltern am See, um während einer Startwoche und mehrerer Workshopphasen gemeinsam zu lernen, miteinander zu diskutieren und an konkreten betrieblichen Projekten zu arbeiten. Am Ende dieser Qualifizierungsreihe steht dann die feierliche Aufnahme in den Klubb, bei der die Neuen ihre Aufnahmeurkunde bekommen. Damit haben alle, die das Programm absolviert haben, Zugang zu Sonderseminaren oder den Jahrestagungen des Klubbs, wo wir an neuen Ideen arbeiten oder aktuelle Themen beackern. Und vor allem entsteht dabei ein großes Netzwerk, das wir bei unserer Arbeit in unseren Betrieben anzapfen können.

Kannst du dafür mal ein Beispiel nennen?

Unser Mutterkonzern Continental hat sich von seiner Kunststofftechniksparte Contitech getrennt und diese jetzt verkauft mit Auswirkungen auf die Mitbestimmung. Als Betriebsrat im abgespaltenen Unternehmen bleibe ich mit einem sogenannten Übergangsmandat zunächst im Amt, muss aber dafür sorgen, dass jetzt möglichst schnell – Anfang August – BR-Wahlen erfolgen. Das ist für uns im Betrieb neu und mit allerlei Fragen verbunden. Andere Klubbis haben mit solchen Prozessen schon Erfahrung. Bei ihnen können wir uns Rat holen, damit wir bei der Neugründung nichts verpassen und rechtlich auf der sicheren Seite sind.

Hinter der Bezeichnung Klubb 200 verbirgt sich ein einjähriges Qualifizierungsprogramm für ehrenamtliche Funktionärinnen und Funktionäre der IGBCE.

Michael Zinger

Das klingt nach viel Know-how …

… definitiv, das hat was von Schwarmintelligenz. Die Mitgliedschaft im Klubb bringt ein starkes Netzwerk mit sich, das Türen öffnet und in vielerlei Hinsicht Orientierung bietet – aber auch gepflegt werden will.

Das bedeutet?

Das ist kein Projekt, das mit der Verleihung der Urkunde am Ende des Qualifizierungsprogramms abgeschlossen ist. Im Gegenteil, danach geht es erst richtig los, weil sich ab da die Türen öffnen, um Kontakte zu den vorherigen und auch zu den nachfolgenden Qualifizierungsjahrgängen zu bekommen. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Vorstellung des Projekts, das wir ein Jahr lang bearbeitet haben. Das stellen wir zum Abschluss vor Klubbis aus anderen Jahrgängen sowie IGBCE-Funktionärinnen und -Funktionären im Rahmen einer Art Markt der Möglichkeiten vor. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Aufnahme eines neuen Jahrgangs, die immer vom vorherigen Jahrgang vorbereitet wird. Schon dabei wird sichtbar, welch enormes Potenzial in den Leuten steckt. Das sind richtig geniale Events, die da vorbereitet werden mit einer enormen Bandbreite von Escape-Room-Games bis hin zu Quizshow-Elementen.

Was hat es denn eigentlich mit dem Namen Klubb 200 auf sich, warum diese ungewöhnliche Schreibweise?

Die IGBCE hat den Namen von einer schwedischen Gewerkschaft übernommen. Dort schreibt sich Klubb genau so. Diese schwedische Gewerkschaft hatte damals wohl genau 200 Menschen ausgebildet. Das ist bei uns aber nicht als Obergrenze an Mitgliedern zu verstehen. Inzwischen dürften bei uns schon mehr als 200 Klubbis das Programm durchlaufen haben.

Du hast erzählt, dass ihr während des Lehrgangs an konkreten Projekten arbeitet. Welches Projekt hast du realisiert?

Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, ein Programm zu entwickeln, mit dem ich die IGBCE an Schulen bekannter mache. Das hat sich dann aber nach der ersten Workshopphase noch mal geändert, weil Lars Böhmer, ein anderer Teilnehmer auf mich zugekommen ist, und mich davon überzeugt hat, gemeinsam mit ihm einen Podcast auf die Beine zu stellen. Das Projekt hat mich sofort begeistert. Herausgekommen ist dabei dann unser Podcast, dem wir den Titel Arbeitskrampf verpasst haben. Das macht uns beiden Podcastern unheimlich viel Spaß. Inzwischen sind daraus 14 Episoden entstanden, weitere sind in Planung.

Prominentester Gast in unserem Podcast war übrigens Bodo Ramelow, damals noch in seiner Funktion als thüringischer Ministerpräsident.

Michael Zinger

Ihr führt den Podcast weiter?

Ja klar, im Idealfall sind die Abschlussprojekte so angelegt, dass sie den Startschuss für etwas bilden, für Verbesserungen der betrieblichen Realitäten oder wie in unserem Fall den Auftakt zu vielen weiteren Podcastfolgen.

Worum geht’s in eurem Podcast?

Inhaltlich ist der so angelegt, dass wir Themen aus Gewerkschaft, Betriebsrat und Politik miteinander verknüpfen und Zusammenhänge sichtbar machen und zwar über Betriebs- und Gewerkschaftsgrenzen hinweg. Lars und ich tauschen uns darin aus, zum Beispiel über gewerkschaftliche Errungenschaften, die in vielen Jahren erkämpft wurden, oder über die Programme von Parteien im Vorfeld von Wahlen. In vielen Folgen haben wir auch Gäste, mit denen wir ins Gespräch kommen, über die Betriebsratswahlen, über künstliche Intelligenz im Betrieb oder geplante Standortschließungen von Unternehmen. Die Gäste blicken dann zum Beispiel aus der Perspektive eines Fachanwalts oder aus der Wissenschaft auf die Themen. Prominentester Gast war übrigens Bodo Ramelow, damals noch in seiner Funktion als thüringischer Ministerpräsident.

Worüber habt ihr mit ihm gesprochen?

Da ging es unter anderem darum, wie ihn sein Engagement als Jugendvertreter und Betriebsrat geprägt hat, wie er als Gewerkschaftssekretär Arbeitskämpfe begleitet hat und welche Rolle Solidarität dabei gespielt hat und für ihn bis heute spielt. Alle Podcastepisoden transportieren zutiefst gewerkschaftliche Werte und erklären, warum diese Werte nichts an Aktualität verloren haben und die Antwort auf viele Fragen sein können. Hört doch einfach mal rein, ihr findet uns auf vielen bekannten Podcastplattformen.

Mehr zum Podcast auch unter:
arbeitskrampf.org

Infos zum Klubb 200:
igbce.de