Interview

August | September 2026

„Inklusion ist kein Randthema“

Im Herbst werden in den Betrieben die Schwerbehindertenvertretungen (SBV) neu gewählt. Warum die Wahlen gerade in einer Arbeitswelt im Wandel so wichtig sind und wie die IGBCE die SBV-Arbeit unterstützt, erklärt Birgit Biermann im Interview mit Kathryn Kortmann.

Birgit Biermann ist Mitglied im ­geschäftsführenden Hauptvorstand der IGBCE.

Foto: Christian Burkert

Birgit, wie wichtig sind die SBV-Wahlen?

Sie sind für die IGBCE von großer Bedeutung. Die gewählten Vertrauenspersonen sorgen dafür, dass Teilhabe, Chancengleichheit und Inklusion schwerbehinderter und gleichgestellter Beschäftigter im Arbeitsalltag nicht nur gute Vorsätze bleiben, sondern gelebt werden. Sie sind für viele Kolleginnen und Kollegen die ersten Ansprechpersonen, bei Fragen der Arbeitsplatzgestaltung, zu gesundheitlichen Belangen, Qualifizierung oder zur beruflichen Entwicklung. Gute SBV-Arbeit stärkt die betroffenen Menschen, verbessert das Betriebsklima und fördert eine inklusive Unternehmenskultur. Deshalb entscheiden die Wahlen auch darüber, wie stark die Interessen schwerbehinderter Beschäftigter in den kommenden vier Jahren vertreten werden.

Warum sollten die Wahlberechtigten ihr Wahlrecht unbedingt ausüben?

Jede Stimme stärkt die Legitimation und das Gewicht der SBV. Eine hohe Wahlbeteiligung zeigt, dass Inklusion, Teilhabe und Chancengleichheit gerade in einer Arbeitswelt im Wandel wichtige Themen sind. Deshalb kann ich alle Wahlberechtigten nur ermutigen, ihr Stimmrecht zu nutzen. Wer wählen geht, übernimmt Verantwortung und gestaltet die eigene Zukunft im Betrieb aktiv mit. Wer nicht wählt, überlässt die Entscheidung anderen.

Vor welchen Herausforderungen stehen die neuen SBV-Vertrauenspersonen in ihrer kommenden Amtszeit?

Die Herausforderungen sind vielfältig. Der technologische Wandel verändert die Arbeitswelt grundlegend. Damit wächst die Bedeutung barrierefreier Arbeitsbedingungen und einer inklusiven Gestaltung neuer Technologien. Auch die Transformation vieler Industriebranchen muss sozial gerecht und inklusiv umgesetzt werden, damit niemand zurückgelassen wird. Zugleich nehmen psychische Belastungen und chronische Erkrankungen zu. Dafür braucht es neue Konzepte für Prävention, Unterstützung und gesunde Arbeitsbedingungen. Der Fachkräftemangel zeigt zudem, wie wichtig es ist, die Potenziale aller Beschäftigten zu fördern und berufliche Teilhabe zu sichern.

Inklusion bedeutet für mich, dass alle Beschäftigten die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um erfolgreich arbeiten zu können.

Birgit Biermann

Gute Arbeit erfordert heute auch ein hohes Maß an Inklusion. Was bedeutet das für dich?

Für mich gehören gute Arbeit und Inklusion untrennbar zusammen. Niemand darf aufgrund einer Behinderung von beruflichen Chancen ausgeschlossen werden. Alle müssen die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten und Talente einzubringen und sich beruflich weiterzuentwickeln. Inklusive Arbeitsplätze sind nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Unternehmen profitieren von vielfältigen Teams und unterschiedlichen Perspektiven. Das stärkt Innovation, Kreativität und Zusammenarbeit. Inklusion bedeutet für mich, dass alle Beschäftigten die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um erfolgreich arbeiten zu können.

Die IGBCE hat den Inklusionspreis ins Leben gerufen. Wozu?

Die engagierte Arbeit vieler SBVen wird häufig noch nicht ausreichend wahrgenommen, obwohl sie täglich einen großen Beitrag für eine erfolgreiche Mitbestimmung, für Teilhabe und Inklusion leisten. In den Betrieben gibt es zahlreiche beeindruckende Beispiele dafür, wie Inklusion erfolgreich gestaltet werden kann. Der Inklusionspreis soll dieses Engagement sichtbar machen und die Menschen würdigen, die sich mit großem Einsatz für die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen engagieren. Gleichzeitig sollen erfolgreiche Praxisbeispiele andere Betriebe dazu ermutigen, ähnliche Wege zu gehen. Der Preis soll zeigen: Inklusion ist kein Randthema, sondern ein wesentlicher Bestandteil guter Arbeit und moderner Unternehmenskultur.

Wie unterstützt die IGBCE die SBV-Vertrauenspersonen bei ihrer Arbeit?

Auf vielfältige Weise durch umfassende Bildungs- und Qualifizierungsangebote, fachliche Beratung in arbeits-, sozialrechtlichen und SBV-relevanten Fragen sowie durch Netzwerke und Austauschformate. Außerdem setzen wir uns politisch für die Interessen schwerbehinderter Beschäftigter ein und entwickeln praxisnahe Handlungshilfen und Informationsmaterialien. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die SBV-Gremien stärken, damit sie ihre verantwortungsvolle Aufgabe wirksam und erfolgreich wahrnehmen können.