Johanna Orth ist zwar die Jüngste im neu gewählten Betriebsrat bei Roche in Mannheim, bringt aber viel Erfahrung aus ihrer JAV-Arbeit mit.
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Level up
Darauf „jetzt bei den Großen mitzumachen“, freut sich Johanna Orth sehr. Auch wenn sie bei den „Großen“ zunächst die „Kleinste“ ist oder genauer gesagt die Jüngste. Bei den Betriebsratswahlen im März haben ihre Kolleginnen und Kollegen beim Pharmakonzern Roche in Mannheim die 26-jährige IGBCE-lerin als jüngstes Mitglied in die 37-köpfige Interessenvertretung von mehr als 8000 Beschäftigten gewählt.
Ihr neues Ehrenamt geht Johanna Orth aber weder blauäugig noch unerfahren an – ganz im Gegenteil. Sie weiß, welche Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten Beschäftigte haben, wenn sie sich aktiv für ihre Interessen einsetzen. Seit 2020 hat sie sich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) bei Roche engagiert. Dort hatte sie nach dem Abitur 2019 eine Ausbildung zur Chemielaborantin begonnen und war gleich in die IGBCE eingetreten. „Die Gewerkschaft ist unsere schützende Hand“, ist Orth überzeugt. „Ohne eine starke IGBCE hätten die Beschäftigten bei Roche nicht so gute Arbeitsbedingungen.“
Die Mitarbeit in der JAV sei sehr gut fürs Selbstbewusstsein und die Persönlichkeitsentwicklung, man könne viel über gelebte Demokratie im eigenen Betrieb lernen, sagt die überzeugte Gewerkschafterin: „Außerdem macht Mitgestalten eine Menge Spaß.“ Darum könne sie jeder und jedem unter 25 Jahren nur sehr empfehlen, bei den nächsten JAV-Wahlen im Herbst zu kandidieren.
Seit ihrer Übernahme 2022 arbeitet Orth in Vollzeit in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Seit Oktober 2025 forscht sie zu CMG – Continuous Glucose Monitoring. Dabei geht es um die Entwicklung einer dauerhaften Blutzuckermessung für Diabetiker. Im gleichen Jahr begann sie ein Studium der medizinischen Biotechnologie an der Technischen Hochschule in Bingen. Sie lernt nach Feierabend, ihre Präsenz in Bingen ist nur bei den Prüfungen gefragt. Ihre Bachelorarbeit plant sie noch vor Ende dieses Jahres abzuschließen.
So fleißig, lern- und wissbegierig wie bei ihrer Arbeit ist sie auch bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. „Wie in der JAV will ich auch im Betriebsrat mitgestalten“, sagt Johanna Orth. Ein erstes Amt hat sie bereits inne. Sie ist eine der drei Fraktionssprecherinnen der IGBCE-Liste, die im Betriebsrat die klare Mehrheit hat. Die Kolleginnen und Kollegen im Betriebsrat können sich darauf freuen, wie sehr sie vor Ideen sprüht. „Ich bin ehrlich und radikal rational“, so Orth. „Das haben wir schon immer so gemacht, ist für mich kein Argument.“
Als Betriebsrätinnen und Betriebsräte müssen wir noch mehr Präsenz bei unseren Kolleginnen und Kollegen im Betrieb zeigen.
Johanna Orth
Als Betriebsrätin will sie vor allem innerbetrieblich auf weitere Verbesserungen hinwirken. „Als Betriebsrätinnen und Betriebsräte müssen wir noch mehr Präsenz bei unseren Kolleginnen und Kollegen im Betrieb zeigen“, formuliert Orth ihr vorrangiges Vorhaben. Der Betriebsrat habe eine Menge Expertise, egal ob es um Entgeltfragen, Arbeitsschutz oder Arbeitszeitmodelle gehe, so Orth. „Dieses Wissen müssen wir künftig noch tiefer in die Belegschaft tragen.“
Konkrete Vorstellungen, in welchen Bereichen sie mitarbeiten möchte, hat die neue Betriebsrätin auch schon. Sie will im Personalausschuss, im Betriebsausschuss und im Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit mitmachen. „Über den Personalausschuss ist es möglich, unmittelbar konkrete Verbesserungen für die Kolleginnen und Kollegen zu erreichen, zum Beispiel bei Unstimmigkeiten über die angemessene Eingruppierung“, berichtet Johanna Orth über ihre Motivation.
Die Betreuung der JAV möchte die junge Betriebsrätin erst einmal nicht übernehmen, um in anderen Bereichen Erfahrungen sammeln zu können: „Aber wenn die JAV anklopft, ist die Tür natürlich nie verschlossen.“
Auch in ihrer Freizeit ist Johanna Orth ein aktiver Typ. Sie joggt mehrmals wöchentlich, fährt mit ihrem Freund Rennrad und geht ins Fitnessstudio. Das Leben in ihrem Heimatort Großniedesheim gestaltet sie im Gemeinderat mit, ebenso wie im örtlichen Kulturverein.
Im Urlaub schaltet die junge Gewerkschafterin ein paar Gänge runter. Am liebsten fährt sie nach Italien, um dort das Dolce Vita zu genießen: Städte anschauen, wandern, gut essen gehen und einfach mal die Seele baumeln lassen – und auftanken fürs Ehrenamt.