„Wir gehen gestärkt an die Arbeit“
Oliver Heinrich interpretiert das gute Ergebnis der IGBCE und die höhere Beteiligung bei den Betriebsratswahlen, erläutert das reine Medienphänomen rechter Listen und spricht über die immensen Aufgaben, die vor den neu gewählten Betriebsratsmitgliedern liegen. Das Gespräch führte Bernd Kupilas.
Oliver Heinrich ist Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IGBCE.
Foto: Stefan Koch
Oliver, das Zwischenergebnis zu den Betriebsratswahlen liegt vor. Wie fällt deine Bewertung aus?
Dieses Ergebnis ist ein souveräner Wahlsieg. Wir konnten unsere starke Stellung in den Gremien verteidigen. Weiterhin werden ungefähr drei von vier Betriebsratsmitgliedern bei uns organisiert sein, bei den Vorsitzenden ist der Organisationsgrad sogar noch höher, und, was mich besonders freut: Wir konnten die Wahlbeteiligung deutlich steigern. Alles in allem: Ich bin mehr als zufrieden. Dieses Ergebnis ist der Erfolg unserer engagierten Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer in Tausenden von Betrieben. Ihnen möchte ich sagen: Danke! Das habt ihr gut hinbekommen.
Fällt an dem Ergebnis irgendetwas besonders auf?
Ja, rechte Listen sind quasi nicht angetreten und konnten dementsprechend auch keine Erfolge vorweisen. Sicherlich mag es in dem einen oder anderen Betrieb Einzelkandidaten gegeben haben, die vielleicht mit AfD-Ideen sympathisieren, aber von einem systematischen Erfolg rechter Kräfte kann nicht einmal in Ansätzen die Rede sein. Das freut mich sehr.
Wie kommt das?
Ich denke, das Thema der rechten oder rechtspopulistischen Kräfte, die angeblich zum Sturm auf die Betriebsräte ansetzen, war ein reines Medienphänomen. Da wurde vorab viel gemunkelt und vermutet und die fetten Überschriften mit Fragezeichen versehen, so in der Art: „Kommt jetzt der Rechtsrutsch in den Betriebsräten?“ Diese Frage können wir mit einer klaren Antwort versehen. Sie lautet nein.
Ein Vertrauensbeweis für die IGBCE und ihre Ehrenamtlichen?
Ja, ganz unbedingt. Diese Wahl ist der Beweis, dass die Menschen in den Betrieben wissen, von wem sie Gutes zu erwarten haben. Betriebsratswahlen sind urdemokratisch. Näher als an den eigenen Arbeitsplatz kann dir die Demokratie kaum rücken. Du kennst die Leute, die du wählst, du kannst sie ansprechen, sie sind nahbar, ihre Tür steht dir offen. Da willst du keine Sprücheklopfer, da willst du Problemlöser. Wir sind froh, dass weiterhin der überwiegende Teil der Wahlen nach Persönlichkeitswahl stattfindet, denn das garantiert, dass dieses Urdemokratische bestehen bleibt und wirklich jene gewählt werden, denen die Beschäftigten Problemlösungskompetenzen zusprechen. Bei Listenwahlen passiert es schnell, dass sachfremde Themen oder Stimmungen eine Rolle bekommen, die bei einer solchen Wahl gar nichts zu suchen haben. Listenwahlen bestehen wir als IGBCE zwar auch gut, aber ich bleibe ein Fan der Persönlichkeitswahl. Sie ist Demokratie pur. Das melden uns auch unsere Mitglieder so zurück.
Unsere Wählerinnen und Wähler sind mit der Erwartung an die Urnen gegangen, dass wir gerade jetzt unsere volle Kompetenz einbringen, um gute Arbeit zu sichern.
Oliver Heinrich
Wie erklärst du dir die höhere Wahlbeteiligung?
Zum einen haben wir vor vier Jahren unter Pandemiebedingungen gewählt. Diesen Coronaknick haben wir jetzt ausgeglichen. Zum anderen wissen unsere Mitglieder in den Betrieben sehr genau, was die Stunde geschlagen hat: Wir stecken in einer Transformationskrise, die uns fordert, und unsere Wählerinnen und Wähler sind mit der Erwartung an die Urnen gegangen, dass wir gerade jetzt unsere volle Kompetenz einbringen, um gute Arbeit zu sichern. Und das werden wir tun.
Könnt ihr beruhigt an die Arbeit gehen?
Wir gehen gestärkt an die Arbeit, aber nicht beruhigt. Dazu ist die Lage in vielen Betrieben viel zu kritisch. Ich denke, wir sollten eher mit einer gewissen Unruhe an die Arbeit in den Gremien gehen, nicht hektisch, nicht panisch, aber doch mit der nötigen Aufmerksamkeit für die Probleme, die sich uns in den kommenden vier Jahren stellen. Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz, jeden Standort und sogar um ganze Branchen, die zu verschwinden drohen, wenn wir uns nicht wehren.
Dein Fazit?
Gut gemacht! Jetzt rufe ich allen erfolgreich Gewählten zu: Auf geht’s! Stellt euch gut in euren Gremien auf, besucht unsere Seminare, bindet die Neulinge gut ein und: Habt Spaß und Erfolg in diesem tollen Ehrenamt. Glück auf!