„Für jeden Geschmack ist etwas dabei.“ Laura Werschky, Vertrauensfrau bei Thermo Fisher Scientific, wirbt erfolgreich Mitglieder – am Eiswagen.
Foto: Marc Doradzillo
Eine starke IGBCE lebt von starken Mitgliedern – gerade in Krisenzeiten. Deshalb startet die Gewerkschaft im Sommer eine neue Gesprächsoffensive. In 30.000 Gesprächen vor Ort, so der Plan, sollen Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben für eine Mitgliedschaft begeistert werden. Wie das funktioniert, welche Argumente überzeugen und was ein gutes Setting ist, haben zwei Aktive Kathryn Kortmann erzählt.
Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Es ist ziemlich heiß an diesem Sommertag im Juli 2025. Da kommt der Eiswagen, den die Vertrauensleute und die IGBCE Freiburg für die Beschäftigten von Thermo Fisher Scientific organisiert haben, gerade recht. Aus Vanille, Schokolade, Zitrone und noch ein paar weiteren angesagten Sorten können die Beschäftigten wählen. „Für jeden Geschmack war das richtige dabei“, erzählt Laura Werschky, IGBCE-Vertrauensfrau und seit der Betriebsratswahl im Mai auch Betriebsrätin am Standort Freiburg. Wer schon IGBCE-Mitglied ist, darf an diesem Tag sogar zwei Kugeln wählen. Ein klares Zeichen dafür, dass für Gewerkschaftsmitglieder mehr drin ist. Und ein guter Aufhänger, um auch mit denen ins Gespräch zu kommen, die sich noch mit einer Kugel Eis zufriedengeben müssen. „Diese Eiswagenatmosphäre in der Mittagspause bietet eine super Gelegenheit, um als Gewerkschaft sichtbar zu werden“, sagt Laura Werschky. „Das Eisschlecken hat nicht nur für Abkühlung und Abwechslung in der Pause gesorgt, sondern auch einen lockeren und ungezwungenen Anlass für kollegialen Austausch geschaffen.“
Dabei ging es den Vertrauensleuten bei Thermo Fisher, die von hauptamtlichen Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretären aus ihrem Bezirk unterstützt wurden, zwar auch darum, neue Mitglieder für die IGBCE zu begeistern. Vor allem aber wollten sie sich mit dieser Aktion selbst bekannter machen. Denn der Vertrauenskörper ist im Betrieb noch relativ neu. „Viele wissen gar nicht, wer dahintersteckt, warum es uns gibt oder was wir machen“, sagt Laura Werschky. Das hat sich mit der Eiswagenaktion beim Technologieunternehmen, das in Freiburg Diagnosetests für Autoimmunerkrankungen herstellt, definitiv geändert. Die IGBCE ist greifbarer geworden. Haben die Kolleginnen und Kollegen ein Problem, wissen sie jetzt, auf wen sie zugehen können – und tun dies auch. „Die IGBCE ist nicht mehr abstrakt, sondern hat mit der Aktion ein Gesicht bekommen“, so Werschky, „und es ist für die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb einfacher, von Peer zu Peer zu reden, als Kontakt zu einem Gewerkschaftssekretär aufzunehmen, wenn irgendwo der Schuh drückt.“
Ab dem 1. Juni 2026 starten wir unsere diesjährige Sommerkampagne. Mit eurer Unterstützung wollen wir die IGBCE erlebbar und präsent machen – für Mitglieder und auch für diejenigen, die es noch werden können. Argumente für eine Mitgliedschaft gibt es viele und in diesem Jahr werden wir sie noch deutlicher zeigen. Ihr wollt auch eine Aktion in eurem Betrieb machen? Dann wendet euch an euren Bezirk beziehungsweise eure Vertrauensleute. Seid dabei, macht uns stärker! Mehr Infos gibt’s in Kürze.
Gut vorbereitet hatten sich die Vertrauensleute auf die Gespräche am Eiswagen zudem. All das, was die Gewerkschaft exklusiv ihren Mitgliedern zu bieten hat, hatten sie parat – Rechtsschutz in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten, eine Freizeitunfallversicherung oder zunehmend auch Boni in Tarifverträgen, die nur IGBCE-Mitgliedern zustehen. Die Aktion im Rahmen der Sommerkampagne 2025 bewertet Laura Werschky in jeder Hinsicht als Erfolg. „Wir konnten im Nachgang der Kampagne tatsächlich unseren Organisationsgrad steigern“, erzählt sie. „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind schon sehr solidarisch, oftmals braucht es nur noch einen letzten Funken, um sie für die Mitgliedschaft zu begeistern.“ So ist auch Laura selbst Mitglied geworden. „Eine Betriebsrätin hat mich angesprochen, warum ich eigentlich nicht in der IGBCE bin“, erinnert sie sich. „Darüber hatte ich mir bis dahin eigentlich noch nie Gedanken gemacht, wohl auch, weil die IGBCE für mich im Betrieb nicht sichtbar war.“ Als sie drüber nachgedacht hat, hat sie gleich einen Mitgliedsantrag gestellt. Deshalb, sagt sie, „sind Sichtbarkeit und persönliche Gespräche das A und O, um gewerkschaftliche Stärke im Betrieb aufzubauen.“ Dass der Eiswagen auch in der Sommerkampagne 2026 wieder Station bei Thermo Fisher macht, ist für Laura Werschky keine Frage, „den haben wir schon gebucht“.
Sichtbarkeit und persönliche Gespräche sind das A und O, um gewerkschaftliche Stärke im Betrieb aufzubauen.
Laura Werschky
Schichtwechsel mit Biss
Nach den vielen positiven Erfahrungen aus dem Vorjahr haben auch die Vertrauensleute und Betriebsratsmitglieder bei BASF in Grenzach beschlossen, sich wieder an der Sommertour ihres IGBCE-Bezirks Freiburg zu beteiligen. Bedeutet: Auch bei BASF im äußersten Südwesten Deutschlands, wo rund 180 Beschäftigte Inhaltsstoffe für die Kosmetik- und Körperpflegeindustrie produzieren, dürfen sich die Kolleginnen und Kollegen demnächst auf einen gemeinsamen Snack zum Schichtwechsel am frühen Nachmittag freuen.
Ob es wie 2025 Eis gibt oder dieses Mal das Frittenmobil vor dem Werktor seine Theke öffnet, ist noch in der Diskussion. Sicher ist bislang nur, dass „die Aktion wieder auf der Terrasse zwischen Labor und Verwaltungsgebäude und in jedem Fall zum Schichtwechsel stattfindet“, sagt Betriebsrat Michael Paul, „das garantiert die höchstmögliche Beteiligung.“ Und eine Kleinigkeit zu essen, auch das ist klar, soll es ebenfalls wieder geben. „Das Eis hat im vergangenen Jahr wie ein Eisbrecher gewirkt“, erzählt der 56-jährige Betriebsrat. „Das hat es uns wirklich leicht gemacht, unsere Leute anzusprechen – unabhängig davon, ob sie Mitglied sind oder noch nicht.“ Gefragt haben sie die Kolleginnen und Kollegen dabei zum Beispiel auch, ob es Themen gibt, die in der Belegschaft für Unmut sorgen. „Statt hinter vorgehaltener Hand trauen sie sich in einem solchen Setting viel eher offen zu sagen, was ist“, sagt Michael Paul. „Darum müssen wir als Gewerkschaft regelmäßig sichtbar werden. Die Sommertour ist ein perfekter Anlass dafür.“
Zum kleinen Imbiss werden die aktiven Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auch in diesem Jahr wieder jede Menge Informationen über die Vorteile im Gepäck haben, die die IGBCE ihren Mitgliedern bietet, um den Organisationsgrad vor Ort zu stärken und noch mehr Beschäftigte für die IGBCE zu begeistern. Zu ihren Argumenten gehört zum Beispiel erstmals auch der Hinweis auf die verbesserte steuerliche Absetzbarkeit der Gewerkschaftsbeiträge, die die Bundesregierung Ende 2025 eingeführt hat. Aufmerksam machen werden Michael Paul und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter alle noch nicht in der IGBCE organisierten Beschäftigten außerdem auf die exklusiven Mitgliedervorteile und die Fristen, die gelten, um bereits im kommenden Jahr in deren Genuss zu kommen. So haben alle Kolleginnen und Kollegen, die in tarifgebundenen Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie bis 30. September IGBCE-Mitglied sind, ab dem kommenden Jahr einen zusätzlichen freien Tag, den sogenannten Gewerkschaftstag.
Solche Argumente ziehen, das haben die Aktiven bei BASF in Grenzach bei der Sommertour 2025 festgestellt, es gab Eintritte. Das ist auch in diesem Jahr das Ziel. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nämlich, so Michael Paul, „ist es wichtig, mit der IGBCE eine starke und verlässliche Partnerin an unserer Seite zu haben, die gemeinsam mit uns für die Sicherung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen kämpft“.
Unser aktueller Video-Podcast ist leider noch in Arbeit, aber demnächst hier verfügbar.