Eine starke Stimme für starke Tarifverträge: Mandy Pöthe wirft ihren Helm wieder in den Ring, wenn die Beschäftigten bei EEW Energy from Waste im Sommer ihre neuen Tarifkommissionsmitglieder wählen.
Foto: EEW Energy from Waste
Zäh, belastbar, robust
Für viele ihrer Kolleginnen und Kollegen ist Mandy Pöthe die Toughe, die Zähe. Sie gilt als belastbar, stark, robust. Wenn die IGBCE-Mitglieder bei EEW Energy from Waste im brandenburgischen Großräschen im Sommer die Mitglieder für ihre betriebliche Tarifkommission wählen, stellt sich auch die Toughe „selbstverständlich wieder zur Wahl“. Aus gutem Grund: Mandy Pöthe ist es ein echtes Herzensanliegen, dass ihre Kolleginnen und Kollegen für ihre gute Arbeit auch gut entlohnt werden. Das durchzusetzen, erklärt die 40-Jährige, „treibt sie an, für dieses Ehrenamt zu kandidieren“. Ein faires Gehalt, sagt sie, „ist im Arbeitsleben schließlich die wichtigste Form der Wertschätzung und Anerkennung“. Tarifverträge mitzugestalten und damit die Attraktivität des Unternehmens zu steigern, ist für die überzeugte Gewerkschafterin eine reizvolle Aufgabe. Und lohnenswert dazu, sagt sie mit Blick auf „den großen Meilenstein, den wir seit Januar 2025 erreicht haben: die Angleichung der EEW-Tarifverträge in Ost und West.“
In der Tarifkommission ihres Betriebs ist Mandy Pöthe seit 2020 aktiv. Sie ist auch Mitglied der sechsköpfigen Verhandlungskommission und vertritt die Kolleginnen und Kollegen der vier ostdeutschen EEW-Standorte. Das Unternehmen für Kreislaufwirtschaft ist an 17 Standorten tätig, davon befinden sich 15 in Deutschland. EEW Energy from Waste verbrennt jährlich insgesamt mehr als fünf Millionen Tonnen Abfall und Klärschlamm zur Energiegewinnung in Form von Strom und Fernwärme.
Pöthe arbeitet seit 2009 am Unternehmensstandort Großräschen mit 50 weiteren Beschäftigten. Die Mechatronikerin hat sich zur Industriemeisterin Metall weitergebildet. Seit 2022 leitet sie als erste Frau eine der vier Schichten. Zu ihren vielen Aufgaben gehören die Überwachung der gesamten Anlage, die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte sowie das Personalmanagement.
Wenn die Kolleginnen und Kollegen ihrer Kreativität freien Lauf lassen, kommen viele spannende Vorschläge dabei heraus.
Mandy Pöthe
Sollte sie wiedergewählt werden, ist Pöthes Zähigkeit bei den Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über bessere Bezahlung im Spätsommer 2026 wieder gefragt. Denn der Weg zu einer gemeinsamen Tarifforderung „ist gleichermaßen demokratisch wie aufwändig“, erläutert Pöthe. In den Monaten vor Beginn der Tarifverhandlungen geht sie auf alle IGBCE-Mitglieder im Betrieb zu, um zu erfahren, was die Gewerkschaft fordern soll. Persönlich und auch per Rund-E-Mail, weil es nicht möglich ist, alle Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in einer Versammlung zusammenzubringen, „schließlich arbeiten wir ja in unterschiedlichen Schichten sieben Tage die Woche 24 Stunden“. Der Rücklauf gerade auf diese Rund-E-Mail sei sehr gut, so Pöthe: „Mit etwas Bedenkzeit melden sich schriftlich auch Kolleginnen und Kollegen zu Wort, die sich auf einem Mitgliedertreffen nicht spontan äußern.“
Die Bandbreite der Antworten sei riesig, so Pöthe. Von deutlich zu bescheiden über halbwegs realistisch bis absurd utopisch ist alles dabei. „Wenn die Kolleginnen und Kollegen ihrer Kreativität freien Lauf lassen, kommen viele spannende Vorschläge dabei heraus“, sagt die Industriemeisterin.
Nach der Befragung ihrer Mitglieder setzen sich die Tarifkommissionen der EEW-Standorte zusammen, um eine einheitliche Forderung für die Verhandlung mit der Arbeitgeberseite zu erarbeiten. Zu Warnstreiks sei es im Laufe der Tarifverhandlungen bei EEW Energy from Waste bisher nicht gekommen, berichtet Pöthe: „Es reichte noch immer aus, eine Arbeitsniederlegung anzukündigen, damit der Arbeitgeber sich auf uns zubewegt.“
Nach Feierabend ist Mandy Pöthe weniger tough, eher relaxed. In ihrer Freizeit und im Urlaub geht die Gewerkschafterin ihrem größten Hobby nach: Dachzelten. Dann fährt sie mit ihrem Auto, ihrem Dachzelt und ihren zwei großen Hunden einfach los, je nach verfügbarer Zeit in den Spreewald, an die Ostsee oder nach Bayern. Übernachtet wird dann auf Wiesen eines Guts- oder Bauernhofs, gern aber auch mal auf einem Campingplatz. „Was gibt es Schöneres, als in der freien Natur einfach nur die Seele baumeln zu lassen?“
Mehr Infos zu den Wahlen der Tarifkommissionen im Sommer findet ihr hier.