„Wir überlassen nichts dem Zufall“
Gut Ding will Weile haben. Deshalb haben die Vorbereitungen für die Betriebsratswahlen im Frühjahr 2026 in vielen Unternehmen bereits begonnen. Warum das so wichtig ist und was jetzt schon zu tun ist? Kathryn Kortmann hat in zwei Betrieben nachgefragt.

Der Zeitplan steht, das Casting der Kandidierenden hat begonnen. Patrick Bauer und das Wahlorgateam bei Roche Diagnostics in Penzberg stecken schon mitten in den Vorbereitungen.
Foto: Adriano Bulla
Noch ist es knapp ein Jahr hin, bis die rund 8000 Beschäftigten von Roche Diagnostics im oberbayerischen Penzberg ihren neuen Betriebsrat wählen. Die meisten von ihnen verschwenden noch keinen Gedanken daran. Nicht so Patrick Bauer. Schon seit Ende 2024 denkt der 42-jährige Betriebsrat, der auch Vorsitzender im Gesamt- und Vize im Konzernbetriebsrat ist, nahezu täglich an die Betriebsratswahlen. Aus gutem Grund: „Die Wahlen und eine hohe Wahlbeteiligung über alle Bereiche hinweg sind immens wichtig“, sagt er. „Sie haben großen Einfluss auf die Zukunft der Kolleginnen und Kollegen, denn nur starke Betriebsräte können gute Arbeitsbedingungen durchsetzen.“ Blinde Flecken in Berufsgruppen, bei denen die Wahlbeteiligung in der Vergangenheit nahezu „unterirdisch“ war, soll es diesmal nicht mehr geben.
Und weil das so ist, überlassen Patrick Bauer und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Wahlorganisationsteam „nichts dem Zufall“. Aus dem Kreis engagierter IGBCE-Vertrauensleute hat sich im ersten Schritt noch im vergangenen Jahr ein Team zusammengefunden, das seither jeden weiteren Schritt akribisch plant. Und das geht umso besser, je früher der Wahltermin feststeht – aus drei Gründen. „Wir haben den Kalender 2026 genau durchforstet, um herauszufinden, welche Zeiträume sich anbieten, damit möglichst viele Kolleginnen und Kollegen von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen können“, erzählt Bauer. Bedeutet: Die Zeit um Ostern scheidet wegen der Ferien ebenso aus wie andere Feier- und Brückentage. Terminiert wurden die Wahlen auf Mitte März 2026. Gewählt wird nicht nur an einem einzigen Tag, sondern eine ganze Woche lang – von Mittwoch bis Donnerstag. „Eine wochenübergreifende Durchführung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass möglichst viele von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen, unabhängig von Schichtdiensten“, erklärt Patrick Bauer.
Aus dem Wahltermin – das ist der dritte Grund für die frühe Festlegung – ergeben sich außerdem alle weiteren Schritte, die im Vorfeld zu bedenken sind. „Von der Wahlwoche haben wir quasi rückwärts unsere To-do-Liste in den Kalender eingetragen“, berichtet Bauer. „Also wann müssen die Kandidierenden feststehen, wann ist der Wahlvorstand zu bestellen, wann müssen wir aktiv in den Wahlkampf gehen und die Werbetrommel rühren?“
Neben diesen organisatorischen Formalien investieren Bauer und sein Team aber auch jetzt schon viel Zeit in die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten und nach zielgruppenspezifischen Botschaften. Die „Nachwuchsfindung“ soll zum Beispiel dafür sorgen, dass mehr Frauen und auch Jüngere für den Betriebsrat kandidieren. Damit das gelingt, entwickelt das Team um Bauer für sie jeweils eigene kleine Kampagnen, die Themen in den Vordergrund rücken, die diese Zielgruppen besonders interessieren. „Das können Aktivitäten für eine ausgewogenere Work-Life-Balance und die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten für die jüngere Generation oder Entgeltgerechtigkeit und neue Arbeitszeitmodelle für unsere Kolleginnen sein“, nennt Bauer Beispiele. Generell gilt für den Wahlkampf: Über all das reden, was der Betriebsrat in der zu Ende gehenden Amtsperiode an Verbesserungen für die Beschäftigten erreicht hat. „Viele wissen gar nicht, was wir alles angestoßen und durchgesetzt haben.“ All das wird die IGBCE-Liste jetzt gezielt für den Wahlkampf nutzen.
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Zweiter Grund für die frühe Festlegung des Wahltermins: „Bei unseren rund 8000 Wahlberechtigten setzen wir auf elektronische Auszählung“, so Bauer, „aber der Run auf solche Hilfsmittel ist so groß, dass wir sie mindestens ein Jahr im Voraus buchen müssen.“ Auch diesen Punkt hat das Wahlorgateam inzwischen erfolgreich abgehakt.
Aus dem Wahltermin – das ist der dritte Grund für die frühe Festlegung – ergeben sich außerdem alle weiteren Schritte, die im Vorfeld zu bedenken sind. „Von der Wahlwoche haben wir quasi rückwärts unsere To-do-Liste in den Kalender eingetragen“, berichtet Bauer. „Also wann müssen die Kandidierenden feststehen, wann ist der Wahlvorstand zu bestellen, wann müssen wir aktiv in den Wahlkampf gehen und die Werbetrommel rühren?“
Neben diesen organisatorischen Formalien investieren Bauer und sein Team aber auch jetzt schon viel Zeit in die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten und nach zielgruppenspezifischen Botschaften. Die „Nachwuchsfindung“ soll zum Beispiel dafür sorgen, dass mehr Frauen und auch Jüngere für den Betriebsrat kandidieren. Damit das gelingt, entwickelt das Team um Bauer für sie jeweils eigene kleine Kampagnen, die Themen in den Vordergrund rücken, die diese Zielgruppen besonders interessieren. „Das können Aktivitäten für eine ausgewogenere Work-Life-Balance und die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten für die jüngere Generation oder Entgeltgerechtigkeit und neue Arbeitszeitmodelle für unsere Kolleginnen sein“, nennt Bauer Beispiele. Generell gilt für den Wahlkampf: Über all das reden, was der Betriebsrat in der zu Ende gehenden Amtsperiode an Verbesserungen für die Beschäftigten erreicht hat. „Viele wissen gar nicht, was wir alles angestoßen und durchgesetzt haben.“ All das wird die IGBCE-Liste jetzt gezielt für den Wahlkampf nutzen.
Von der Wahlwoche haben wir quasi rückwärts unsere To-do-Liste in den Kalender eingetragen
Patrick Bauer
Die Mischung machts
„Beste Wahlwerbung sind vier Jahre gute Arbeit“, sagt auch Thorsten Herd, Betriebsrat und Vertrauenskörpervorsitzender bei Merck in Darmstadt. Beim Wissenschafts- und Technologieunternehmen sind die Vorbereitungen ebenfalls bereits angelaufen. „Wir stehen altersbedingt in den nächsten Jahren im Betriebsrat vor einigen Wechseln, die Rente ruft“, berichtet Herd, „die Nachfolgeplanung will gut überdacht sein. Ein großes Gremium mit starken Stimmen aufzufüllen, ist komplex.“ Schließlich kommt es auf eine „gute Mischung“ aus Frauen und Männern, Jungen und Älteren an, die alle Bereiche repräsentieren.
39 Mitglieder hat der Betriebsrat bei Merck, zwei Listen bilden das Gremium. Die IGBCE-Liste hat mit 28 Mitgliedern die Mehrheit. Das soll auch nach der Wahl Ende März/Anfang April 2026 so bleiben. Nach Möglichkeit soll die Stärke ausgebaut werden. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn immer mehr Beschäftigte auch aus dem KAAT-Bereich (Kaufleute, Akademiker und außertariflich Angestellte) erkennen, dass ihre Interessen in der IGBCE gut aufgehoben sind. Neben dem KAAT-Netzwerk der Gewerkschaft haben die Vertrauensleute aus dem Bereich noch ein eigenes unternehmensinternes Netzwerk aufgebaut, um die Kolleginnen und Kollegen gezielt mit Informationen zu versorgen, die ihre Arbeitswelt im Unternehmen betreffen.
Ein Drittel der rund 12.000 Wahlberechtigten bei Merck sind sogenannte ATler, also außertariflich Beschäftigte. Unter ihnen, aber auch unter allen anderen Kolleginnen und Kollegen hat das Kandidierendencasting bereits begonnen. „Ziel ist eine IGBCE-Liste mit rund 120 Kandidatinnen und Kandidaten“, sagt Thorsten Herd. „Auch die Nachrückliste und die Ausschüsse müssen stark aufgestellt sein.“ Denn bei Merck werden die Ausschüsse nicht selten nach Paragraf 28 a des Betriebsverfassungsgesetzes besetzt. Danach dürfen Aufgaben auf Arbeitsgruppen (Ausschüsse) übertragen werden, in die auch Personen delegiert werden, die dem Betriebsrat nicht angehören. „Das ist für viele unserer Kolleginnen und Kollegen ein erster Einstieg in die spätere BR-Arbeit“, berichtet Thorsten Herd. „Dort können sie sich in zeitlich reduzierterer Form in wichtige Themen einarbeiten und ausprobieren, ob Interessenvertretung etwas für sie ist.“
Auch aus dem Kreis der 125 Vertrauensleute, die in den unterschiedlichsten Bereichen des Unternehmens aktiv sind, rekrutieren die IGBCEler neue Kandidierende für ihre Liste. Sie bringen oft schon mit, was Betriebsratsmitglieder idealerweise auszeichnet, sind teamfähig, kommunikativ, neugierig und haben ein großes Interesse daran, „etwas für die Belegschaft zu tun“, sagt VK-Leiter Herd. „Und wenn sie dann auch noch zeitlich genügend Kapazitäten haben, empfehlen sie sich auch für die BR-Arbeit.“
Bis zum Herbst führt die IGBCE-Listenkommission bei Merck unzählige persönliche Gespräche, um ein Gefühl für die geeigneten Kandidierenden zu bekommen. Danach geht es dann auch in Darmstadt mit Volldampf in den Wahlkampf – auf allen Kanälen und zielgruppenspezifisch. Auch da laufen die Vorbereitungen bereits – im Grunde schon seit vier Jahren …