Portrait

April | Mai 2025

Die Hartnäckige

Für Susan Uebigau ist die IGBCE-Mitgliedschaft ein absolutes Muss.

Foto: Jürgen Lösel

Für die einen ist sie „die Mutti“, für die anderen „der Nervzwerg“. So oder so betiteln ihre Kolleginnen und Kollegen im Betrieb sie häufiger, erzählt Susan Uebigau. Und fügt grinsend hinzu: „Beides stimmt.“ Mutti, weil sie als Betriebsrätin und IGBCE-Vertrauensfrau für sämtliche Anliegen der Belegschaft nahezu jederzeit ein offenes Ohr hat. Und Nervzwerg, weil sie als überzeugte Gewerkschafterin und Mitgliederwerberin für die IGBCE nicht lockerlässt, wenn auf ihre Frage nach einer Mitgliedschaft in der Gewerkschaft beim ersten Mal ein „Nein“ zurückkommt. Diese Kolleginnen und Kollegen spricht sie spätestens nach ein paar Monaten wieder an. „Ich kann hartnäckig sein, wenn es sein muss.“ So lange, bis die Angesprochenen richtig zuhören. Und anschließend – im Regelfall die IGBCE-Beitrittserklärung unterschreiben. „Und wenn jemand seine Lesebrille vergessen hat, helfe ich auch beim Ausfüllen des Antrags“, sagt Uebigau.

Die Mitgliedschaft in der IGBCE ist für die 49-Jährige „ein Muss“. Schließlich bringt die ausschließlich Vorteile mit sich von der solidarischen Gemeinschaft über die Freizeitunfall-, Arbeits- und Sozialrechtsschutzversicherung bis hin zu einem monatlichen 25-Euro-Warengutschein. Diesen 25-Euro-Warengutschein einlösbar bei der Tankstelle, einer Drogeriemarktkette oder einem schwedischen Möbelhaus hat die Gewerkschaft 2020 bei den Haustarifverhandlungen exklusiv für die IGBCE-Mitglieder im Betrieb ausgehandelt. „Alleine dadurch ist der Mitgliedsbeitrag ja gewissenmaßen wieder drin“, sagt Uebigau. Vor kurzem wurde der Warengutschein in einen 25-Euro-Mitgliederbonus umgewandelt, der nun mit dem Gehalt überwiesen wird.

Die engagierte Mitgliederwerberin kennt fast alle Kolleginnen und Kollegen im Betrieb mit Namen. Zum einen, weil sie sich seit mehr als zehn Jahren im Betriebsrat engagiert, seit 2018 ist sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und für diese Aufgabe freigestellt. Zum anderen, weil sie bereits seit nahezu einem Vierteljahrhundert in der DMI Archivorganisation im sächsischen Leisnig tätig ist. Kerngeschäft des Unternehmens ist die Digitalisierung von Krankenhausakten. Angefangen hat die aktive IGBCElerin bei DMI im Sommer 2001 in der Mikroverfilmungsabteilung. Damals arbeiteten gerade mal circa 25 Beschäftigte dort. Heute sind es allein in Leisnig etwa 520, dazu kommen etwa 60 weitere in der Außenstelle in Chemnitz. Rund 480 der 580 Beschäftigten sind Frauen.

Bei den Neuen haben wir eine ziemlich hohe Trefferquote.

Susan Uebigau

Sie für die IGBCE zu begeistern, „ist kein leichtes Geschäft“, erzählt Susan Uebigau. „So manch angesprochene Kollegin erbittet sich Bedenkzeit, weil sie das erst mit ihrem Mann besprechen muss.“ Eine Antwort, die Uebigau immer wieder erstaunt: „Wieso? Du arbeitest doch hier.“ Einfacher sei es mit neuen Kolleginnen und Kollegen. Diese werden direkt mit der Einstellung ins Betriebsratsbüro eingeladen, wo ihnen die Wichtigkeit von Betriebsrat und Gewerkschaft ausführlich erklärt wird meist mit Erfolg. „Bei den Neuen haben wir eine ziemlich hohe Trefferquote“, erzählt Uebigau.

Gewerkschaftlich aktive Frauen wie Susan Uebigau soll es nach den Vorstellungen der IGBCE künftig noch mehr geben. Darum startet die Gewerkschaft im Frühjahr 2025 zum Beispiel in der Pharmaindustrie eine groß angelegte Kampagne, mit der sie mehr Frauen als Werberinnen und Mitglieder gewinnen will. Ein Vorhaben, das Susan Uebigau sich auch für ihren Betrieb gut vorstellen kann.

Auch in ihrer Freizeit hat Uebigau vorwiegend mit Frauen zu tun: Sie ist Mutter von drei Töchtern. Die Kinder waren der Grund, warum die gelernte Hotelfachfrau 2001 bei der DMI Archivorganisation angefangen hat. „Familie und Job in meinem Ausbildungsberuf unter einen Hut zu bringen, war wegen der Arbeitszeiten kaum machbar“, sagt sie.

Viele Jahre waren ihre Kinder ihr Hobby. Seitdem mittlerweile auch die jüngste Tochter volljährig ist, frönt sie, wann immer es ihre Zeit zulässt, ihrem zweitliebsten Hobby: Reisen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, mit dem sie seit mehr als 21 Jahren glücklich verheiratet ist, zieht es sie regelmäßig für mehrwöchige Touren im Camper in den hohen Norden Europas.

Volker Wartmann